Was ist Yammer und welche Teams profitieren davon?

Es gibt viele Wege, mit den Kolleg*innen in Kontakt zu bleiben: Text- oder Sprachnachrichten, E-Mails und Kooperationstools kommen einem da in den Sinn. Manchmal hilft vielleicht sogar der gut gezielte Wurf eines Papierfliegers. Als Projektmanager*in solltest du mit allen Kommunikationsmöglichkeiten vertraut sein.

Besonders praktisch ist es, einen Ort zu haben, an dem das gesamte Team zusammenkommen und sich gegenseitig auf den neuesten Stand bringen kann.

Gleichzeitig sind soziale Netzwerke aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, beruflich wie privat. Das liegt daran, dass sie sich unglaublich gut dafür eignen, persönliche Beziehungen zu pflegen.

Und wenn Angestellte Facebook, Twitter und Instagram sowieso nutzen, kann man sich auch deren beste Features zunutze machen und eine entsprechende Plattform für die Arbeit erstellen – oder?

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Das ist der Grundgedanke hinter Microsoft Yammer.

Yammers Gründer David Sacks beschreibt die Entstehung auf dem Blog von Yammer so: „Wir haben nach einem Tool gesucht, um unser Unternehmen zu vernetzen. Uns hat eine Art Twitter für Unternehmen vorgeschwebt, aber so etwas gab es nicht. Also haben wir eine eigene Lösung entwickelt.“

Im Folgenden schauen wir uns an, wie Yammer Teil der Microsoft-Familie wurde und Hunderte Millionen Nutzer*innen gewann und für welche Teams es eigentlich hilfreich ist – und für welche weniger.

Yammer, was ist das denn nun?

Anders als der Name vermuten lässt – to yammer bedeutet auf Deutsch etwa aufdringlich drauflosreden – ist Yammer im Kern eine Kollaborationssoftware und ein soziales Netzwerk, das dazu dienen soll, Teams – und insbesondere räumlich getrennte Teams –zusammenzubringen.

Yammer – eine Einführung

Anders als klassische Projektmanagement-Software, die auch Features wie Budgetplanung, Aufgabenverwaltung und Zeiterfassung umfasst, geht es bei Yammer um die Zusammenarbeit und das Netzwerken.

Zwar enthalten auch einige Projektmanagement-Lösungen Tools wie einen Chat oder Filesharing-Optionen, bei ihnen steht aber das Projektmanagement im Zentrum. Nicht so bei Yammer. Yammer ist dazu gedacht, zusätzlich zu einer klassischen Projektlösung verwendet zu werden.

Überhaupt hat Yammer eine interessamte Geschichte. Das Tool, das heute zu Microsoft gehört, begann als Inhouse-Kommunikationsplattform für die Genealogie-Website Geni.com. Sacks und sein Mitbegründer Adam Pisoni erkannten bald, wie einzigartig Yammer war und dass es auch anderen Unternehmen nützlich sein könnte. Also vermarkteten sie es als eigenständiges Programm. Sobald sie öffentlich verfügbar war, erreichte die Software in 4 Jahren 5 Millionen Nutzer*innen.

Das ist wiederum Microsoft aufgefallen und der Softwareriese hat Yammer 2012 für 1,2 Milliarden Dollar gekauft. Inzwischen ist das Programm in bestimmte Pakete der Office 365-Suite integriert, sodass es vermutlich bereits auf deinen Firmenrechnern zwischen Excel, Word, PowerPoint und Konsorten vor sich hinschlummert.

Microsoft zufolge nutzen 85 % der weltweit erfolgreichsten Unternehmen Yammer für die interne Kommunikation. Bedenkt man, dass Office 365 der am weitesten verbreitete Cloud-Dienst der Welt ist, ist das gar nicht so überraschend.

Und falls du ein anderes Office-Paket im Einsatz hast, ist das auch kein Problem: Ein aktuelles Microsoft-Abo ist nicht erforderlich, man kann sich einfach mit seiner E-Mail-Adresse anmelden. Unternehmen mit gültigem Office-Paket haben aber erweiterte Möglichkeiten und erhalten gewissermaßen Admin-Rechte.

Warum Yammer?
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Die Startseite von Yammer

Wer die Office 365-Suite kennt, fragt sich vermutlich, warum (und ob) die nun wirklich noch ein weiteres Kollaborationstool gebraucht hat, wo doch auch Delve, SharePoint und Teams enthalten sind. Zumal es ja noch eine Vielzahl von  unabhängigen Alternativen gibt.

Auf der Speisekarte oder bei der Urlaubsplanung ist viel Auswahl eine gute Sache. Geht es aber darum, eine neue Plattform auszuwählen und sie einem Team schmackhaft zu machen, kann das auch nerven.

Jeder kennt es: Eine über verschiedene Kanäle wie E-Mail, Chat und ein Kollaborationstool hinweg geführte Konversation ist ein ziemlicher Albtraum und führt ganz schnell zu Missverständnissen und Fehlern.

Um für ein bisschen mehr Klarheit zu sorgen, haben die Gartner-Analysten Jeffrey Mann und Mike Gotta einen Bericht mit dem Titel Help Employees Select the Right Office 365 Productivity Tools erstellt (der gesamte Bericht steht Gartner-Kunden auf Englisch zur Verfügung).

  • Derzeit scheint Microsoft einfach immer mehr Tools zur Kommunikation und Zusammenarbeit in die Office-Suite aufzunehmen, ohne sie ausreichend voneinander abzugrenzen oder darzulegen, wie sie nun eigentlich miteinander in Verbindung stehen. Das führt dazu, dass es Unternehmen zunehmend schwer fällt, sie auch effizient zu nutzen.
  • Funktionsüberschneidungen zwischen einzelnen Programmen, wie man sie bei Microsoft Teams besonders deutlich sieht, führen zu Verwirrung und es bleibt häufig den Mitarbeiter*innen einer Firma überlassen, sich zu überlegen, was sie nun wofür genau einsetzen wollen.
  • Entsprechend häufig werden IT-Abteilungen gebeten, Licht ins Dunkel zu bringen – haben aber meist selbst Mühe, klare Anwendungsgebiete zu definieren und ihren Kolleg*innen so eine Orientierung zu bieten.

In diesem Bericht schlägt Gartner vor, dass Change Manager*innen festlegen sollten, in welchem Zusammenhang ihre Teams welche Tools verwenden und eine Handreichung dazu erstellen, anstatt einfach „alle Tools von Office 365 zur Verfügung zu stellen und auf das Beste zu hoffen“.

Es ist also im Prinzip so, dass man sich auch hier zuerst über die einzelnen Möglichkeiten informieren und sie miteinander und auch mit den Vorlieben der eigenen Angestellten vergleichen sollte, um sich dann für die für das eigene Team passendste Lösung zu entscheiden.

Will sagen: Fühlt sich die Mehrheit eines Teams auf Facebook wohl, ist Yammer eine ausgezeichnete Wahl, da das Interface durchaus an Facebook erinnert.

Bei einer Gruppe Facebook-averser Programmierer hingegen ist ein Tool wie Github oder SourceForge vielleicht eher angebracht.

Wer sollte also auf Yammer setzen – und wer eher nicht?

Das Besondere an Yammer ist die nahtlose Integration in Office 365. Aus einer Konversation auf Yammer heraus lassen sich Termine in Outlook anlegen, eine Skype-Konferenz öffnen, Dokumente aus dem OneDrive verknüpfen oder PowerPoint-Präsentationen bearbeiten.

Es geht also im Grunde darum, ob Teams innerhalb des Office 365-Ökosystems arbeiten oder nicht. Wenn ja, dann ist Yammer eine sehr gute bereits integrierte Lösung, die sicherlich mit neuen Innovationen glänzen wird.

Teams hingegen, die auf eine andere Suite setzen, also zum Beispiel auf die G Suite oder auf Apple iWork, haben unter zahllosen plattformübergreifenden internen Netzwerken die Wahl und können ebenso gut auf Podio, Wrike, Slack oder etwas ganz anderes zurückgreifen.

Yammerst du schon?

Arbeitest du schon mit Yammer (oder hast in der Vergangenheit damit gearbeitet)? Dann hinterlasse uns doch eine Bewertung und sage uns: Wie funktioniert Yammer für dich?

Wir wüssten gern, was du davon hältst. War es nützlich? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum nicht? Was würdest du daran ändern, wenn du könntest? Mit welchen Kniffen kann man besonders viel herausholen? Erzähl es in den Kommentaren!

Du suchst noch nach Projektmanagement-Software? Wirf einen Blick auf Capterras Liste der besten Projektmanagement-Lösungen!