So bringst du deinem Entwicklungsteam agile Methoden näher

Wenn man sich derzeit in der Unternehmenswelt umschaut, entdeckt man überall das Schlagwort der „Agilität“. Das ist natürlich nichts Neues, aber die alleinige Tatsache, dass es weiterhin so omnipräsent ist, ist ein klares Anzeichen dafür, dass agile Methoden eben keine Eintagsfliege, sondern eine sich dauerhaft etablierende Strategie sind. Das hat einen ganz einfachen Grund: Sie erzielen hervorragende Ergebnisse.

Gerade im Bereich Software sind agile Methoden kaum mehr wegzudenken. Deshalb haben wir hier einen Leitfaden zusammengestellt, der dabei helfen soll, agiles Arbeiten erfolgreich in (Entwicklungs-)Teams einzuführen.

Team arbeitet mit agilen Methoden
Aber vorher:

Was genau sind eigentlich agile Methoden und wie werden sie sinnvoll genutzt?

Agile ist ein iteratives, also in sich wiederholenden Schritten aufgebautes Projektmanagementsystem. Anstatt wie an einem fixen Zeitstrahl entlang von vorne bis hinten alle Aufgaben nacheinander abzuarbeiten, kann die agile Softwareentwicklung sich an sich verändernde Voraussetzungen anpassen.

Agiles Arbeiten beruht insbesondere in der Softwareentwicklung auf dem Feedback, das Kund*innen und interdisziplinäre Teams im Projektverlauf geben. Damit ist agiles Projektmanagement gewissermaßen Projektmanagement in Echtzeit, was nichts anderes heißt, als dass es die Möglichkeit bietet, sich mithilfe von Feedbackschleifen an die tagesaktuellen Gegebenheiten anzupassen. Beim agilen Projektmanagement laufen Entwicklung, Einarbeitung von gesammelten Rückmeldungen und Testphasen gleichzeitig ab.

Lebenszyklus bei agilen Methoden

Glaubt man einer Marktforschungsstudie des Project Management Institute, sind agil geführte Strukturen deutlich leistungsfähiger als nicht-agile. So wurde beispielsweise festgestellt:

  • 75 % der agilen Organisationen erreichen ihre Ziele, bei den nicht-agilen sind es nur 56 %
  • 65 % bleiben mit ihren Projekten im vorgegebenen Zeitrahmen, bei nicht-agilen sind es nur 40 %
  • 67 % bleiben mit ihren Projekten im vorgegebenen Kostenrahmen, bei nicht-agilen sind es nur 45 %
  • Der Umsatz steigt um 37 % schneller
  • Agile Organisationen werfen 30 % höhere Gewinne ab

Ganz offensichtlich bieten agile Projektmanagementmethoden also Vorteile, von denen insbesondere Entwicklerteams profitieren können.

Überzeugt? Im weiteren Verlauf haben wir zusammengetragen, wie man ein Team in 5 Schritten an die Anwendung agiler Methoden heranführt. Denn ganz ohne eine wohlüberlegte Strategie wird auch dieser Übergang nicht klappen.

1. Mithilfe des Agilen Manifests Aufgaben erstellen

Der erste Schritt auf dem Weg ins agile Arbeiten sollte die Vorstellung des Agilen Manifests Sein. Im Kern dieses Manifests stehen die folgenden 12 Prinzipien:

Prinzipien für agile Methoden

Diese Prinzipien verinnerlicht man am besten durch die Erledigung kleiner Aufgaben. Beispiele für solche Aufgaben finden sich zum Beispiel auf haufe.de, aber auch an vielen anderen Stellen im Internet.

Bei diesen Aufgaben geht es gar nicht so sehr um Unterweisung wie um ein eigenständiges Entdecken und Erarbeiten von Agilität.

Als Einstieg bieten sich zum Beispiel Fragen nach dem Agilen Manifest an. Halte dein Team an, die Prinzipien miteinander zu besprechen. Danach setzt euch zusammen und brainstormt, welche Prinzipien für Gruppendiskussionen geeignet sind – und erstellt gleich eine Liste. Als Nächstes bietet sich eine schriftliche Aufgabe an, in der dein Team versucht, die Prinzipien auf ihre derzeitige Arbeitsweise zu übertragen. Zweck all dieser Übungen ist einfach, die Prinzipien zu verinnerlichen und ihre Anwendung vorzubereiten.

Gerade für sich neu formierende Teams kann es eine große Hilfe sein, wenn man ihnen kleine Aufgaben an die Hand gibt, an denen sie sich langhangeln können.

2. Probieren geht über studieren

Am besten lernt man Agile durchs Ausprobieren. Es gibt verschiedene Wege des agilen Arbeitens, zu den bekannteren gehören zum Beispiel Scrum, XP, Crystal und Kanban. Mit einigen ist dein Team vielleicht auch schon vertraut, aber es ist dennoch sinnvoll, die Beispiele noch einmal durchzuarbeiten. Wie immer gilt: Ausprobieren kann man nur Dinge, von denen man schon eine gewisse Grundahnung hat, aber auch Agile-Experten können durchaus etwas für sich mitnehmen. Nur für Anfänger ist der Sprung ins kalte Wasser vielleicht nicht so geeignet. Mit den folgenden Schritten kannst du dein Team dabei unterstützen, die agilen Methoden ein erstes Mal in der Praxis anzuwenden:

  1. Beginnt ganz normal auf der Grundlage eurer üblichen Vorgehensweise ein neues Projekt
  2. Legt Umfang und Ziele des Projektes fest
  3. Entwerft einen Rahmen für die Projektanforderungen
  4. Entwickelt eine Softwarefunktion
  5. Integriert diese Funktion mit agilen Methoden
  6. Testet die Funktion
  7. Ist der Test erfolgreich, geht es mit der nächsten Funktion weiter, die die Schritte 4–6 ebenfalls durchläuft
  8. Ist der Test nicht erfolgreich, notiert die Fehler und passt die Funktion so an, dass sie funktioniert
  9. Bewertet die Projektziele anhand des Feedbacks vom Kunden neu
  10. Sobald das Feedback eingearbeitet ist, kann die Funktion auf den Markt gebracht werden
  11. Weiter zum nächsten Produkt, das wieder Schritte 4–6 durchläuft und so weiter, bis das Projekt abgeschlossen ist.

(Hierbei kann Projektmanagementsoftware übrigens eine große Hilfe sein.)

Diese Schritte sind eine recht einfache Struktur, mit der sich so ein Training „am lebenden Projekt“ durchführen lässt. Denn genau das ist der Trick: Agile Entwicklungsmethoden sollten auf ein echtes, aktuelles Projekt übertragen werden. So vermittelt man nicht nur Wissen, sondern auch Anwendungskompetenz.

3. Onlinekurse für agiles Arbeiten

Onlinekurse sind ebenfalls ein sehr guter Weg, um agile Methoden in deinen Teams einzuführen. Das ist üblicherweise teurer als ein internes Agile-Training, hat aber den großen Vorteil, dass sowohl Zeit als auch Verwaltungsaufwand gespart werden können. Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Anbieter auf Deutsch und Englisch. Gegebenenfalls empfiehlt sich vielleicht auch eine Schulung an einer externen Akademie oder einer ähnlichen Einrichtung.

Derartige Schulungen sind häufig an bestimmte agile Methoden gebunden, es gibt sie zum Beispiel für Scrum und Kanban.

4. Gemeinsamkeit lernen: Das wir kommt vor dem ich

Das Herzstück jeder agilen Kultur oder Methode ist immer und unbedingt die Zusammenarbeit. Nur wenn sie zusammenarbeiten, können Kunden und interdisziplinäre Teams sich sicher sein, dass sie nicht an den Bedürfnissen und Möglichkeiten der anderen vorbeiplanen. Deshalb sind Kommunikation und Inklusion von zentraler Bedeutung. Nur so können die „Sprints“ genannten Iterationen so angepasst werden, dass am Ende ein stimmiges Projekt steht.

Deshalb empfiehlt es sich, schon beim Training kooperative Konzepte in den Mittelpunkt zu stellen. Die Arbeit mit Kundenanwendungsbeispielen bietet eine gute Möglichkeit, die Bedeutung von, aber auch die Strategien zur Einbeziehung der Kunden hervorzuheben.

Ein kooperatives, nutzerzentriertes Umfeld wirkt da Wunder. Im ersten Schritt solltest du für eine Gruppendynamik sorgen, die die Zusammenarbeit ermöglicht. Lass deine Leute dafür bei Programmierung und Testen in Tandems arbeiten.

5. Inhouse-Schulungen für agile Methoden

Bevor du einen externen Trainer oder eine Trainerin zu dir ins Unternehmen bestellst, solltest du dir deinen Zeit- und Kostenrahmen bewusstmachen. Bei der Terminfindung sollten die aktuellen Projekte deines Teams betrachtet werden. Der Trainer sollte echte Beispiele aus eurem Arbeitsalltag zur Verfügung haben, so wird das Training für deine Leute greifbarer und relevanter.

Es gibt zwei Wege, so ein Training umzusetzen: Man kann entweder auf das Push-Prinzip setzen oder das Pull-Prinzip in den Vordergrund rücken.

Verlässt man sich auf das Pull-Prinzip, wird das agile Training so gestaltet, dass die Teammitglieder durch konstantes, ermutigendes Feedback dazu angehalten werden, ihre Prinzipien und Werte anzupassen. Auf diese Weise lernen sie selbstständig und mit nur minimaler Unterstützung durch den Coach. Demgegenüber steht das Training durch den Push-Faktor, bei dem der Schulungsleiter oder die Schulungsleiterin durch eine direktere Wissensvermittlung stärker eingreift.

Du willst noch mehr über die Einführung agiler Methoden wissen?

Bei der Einführung von agilen Entwicklungsmethoden sollten Zusammenarbeit und Kundenbindung im Vordergrund stehen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die reibungslose Teamarbeit, bei der die Gruppe vor Einzelpersonen stehen sollte. Werden diese dynamischen Methoden sauber umgesetzt, führen sie Entwicklerteams zu großen Erfolgen.

Hast du dein Team schon in das agile Arbeiten eingeführt? Möchtest du selber agiles Arbeiten lernen? Nutzt du bereits agile Projektmanagementsoftware?

Sag es uns in den Kommentaren!

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